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  • michaelbernhardt19

Over & Out

Am Sonntag ist leider das unvorstellbare passiert, was unserer Reise abrupt einen Schlusspunkt setzt.

Nach 3 wunderschönen Tagen in Rom wollten wir einen Tag zum Putzen und Einkaufen einlegen. Nachdem wir am Vormittag das Womo in Schuss gebracht hatten, steuerten wir um die Mittagszeit einen Decathlon ca. eine halbe Stunde außerhalb von Rom an. Es handelte sich um ein kleineres Einkaufszentrum, wir parkten direkt vor dem Eingang vom Decathlon. Während Isabella und ich in den benachbarten Media Markt gingen, um einen Router für unseren Camper zu kaufen, ging Ines mit den Jungs bereits vor in den Decathlon.

Wenig später folgte ich ihr und mit Freude kauften wir Schnorchel, Brillen, ein Body Board und noch ein paar andere Dinge, die die Augen unserer Jungs zum strahlen brachten.

Plötzlich kamen zwei Frauen auf uns zu und hielten uns ihr Handy mit Google-translate vor die Augen: „Seid ihr Deutsche, habt ihr einen Camper, es schleichen Zigeuner um euer Fahrzeug“. Ich rannte aus dem Laden und dachte ich bin auf dem falschen Parkplatz. Doch innerlich wusste ich bereits was geschehen war. Der Parkplatz war einfach nur leer. Ich brüllte wie verrückt, dass jemand unseren Camper gestohlen hat und rannte den Parkplatz auf und ab. Doch es war zu spät. Von einem auf den anderen Moment war unser Haus auf Zeit mit samt seinem Inhalt verschwunden. Der Security Mann vom Decathlon rief die Polizei und leitete die Fahndung in die Wege. Wenig später musste ich die Nachricht meiner Familie überbringen, die gerade den Einkauf an der Kasse bezahlt hatte. Luan brach in Tränen aus, Ines war sprachlos und konnte kaum Luft holen.

Es brauchte einige Zeit des Realisieren und Verstehen, während das Geschehene bereits die Runde bei den Mitarbeitern des Ladens machte. Sofort kümmerten sie sich um uns und boten uns sogar an, mit zu ihnen nach Hause zu kommen.

Sie nahmen die Waren zurück und riefen uns ein Taxi, mit dem wir zur Polizei fuhren. Auf der halben Strecke schaltete der Fahrer das Taxameter aus und war nur noch am Fluchen über die Menschen, die uns das angetan haben. Der Besuch bei der Polizei war wenig erbaulich. Es wurde uns ein Formular zum Ausfüllen ausgehändigt mit der Bitte alles aufzulisten, was im Camper war. Ungläubig hab ich ihn gefragt, ob das sein Ernst sei.


Die Bilder unseres Fahrzeuges wollte er nicht einmal haben und auch sonst sagte er nichts was uns in irgendeiner Form beruhigt oder zumindest weitergeholfen hätte.

Der Taxifahrer bot uns an direkt mit ihm nach Hause zu kommen. Doch wir wollten zunächst zum Decathlon zurück und sehen wie es dort weiterging. Gemeinsam diskutierten die Mitarbeiter dann mit dem Taxifahrer die beste Lösung für uns und erstellten eine Liste mit den nötigsten Dingen, die wir brauchten. Denn bis auf die Kleider am Körper (was bei >30 grad nicht viel ist), meinem Handy, einer EC Karte und dem Schlüssel fürs WoMo hatten wir nichts.

Am Ende boten sie uns zwei Optionen an: nach Hause zum Taxifahrer, der ein kleines Gartenhäuschen mit Bad, Küche aber keinen Betten für uns hatte oder zu einer der Mitarbeiterinnen vom Decathlon, die ein Zimmer mit Betten für uns hatte.

Wir entschieden uns für ersteres, woraufhin Roberto (so heißt der Taxifahrer übrigens) zwei Luftbetten für uns aus dem Laden holte.

Zu Hause wurden wir dann herzlich von seiner Frau, seiner Tochter und deren Sohn empfangen. Am Abend kam dann Ippolita (die Decathlon Mitarbeiterin) vorbei und brachte uns Klamotten, Zahnbürsten, Windeln und was wir sonst noch so am dringendsten benötigten. Lasagne und Steaks vom Grill halfen über den größten Schmerz hinweg.


Der nächste Tag begann neben Tränen mit vielen Telefonaten und der Frage, ob Fotos von unseren Reisepässen ausreichten, um nach Hause zu fliegen. Bei der Botschaft und den möglichen Fluggesellschaften erreichten wir leider nichts, auch der ADAC konnte uns hier leider keine Auskunft geben. Immerhin hatten wir die Bestätigung der Kaskoversicherung, dass sie die Rückreise übernehmen würden.

Nach einem weiteren leckeren Mittagessen von Robertos Frau blieb keine andere Möglichkeit als zum Flughafen zu fahren und unser Glück zu versuchen.

Ein Freund von zuhause unterstütze uns noch, indem er vorab die schriftliche Bestätigung von Lufthansa, seinem Arbeitgeber, einholte, dass sie uns mit unseren nicht vorhandenen Papieren mitnehmen würden.

Leider ging der nächste Flug nach Stuttgart erst zwei Tage später, sodass wir uns für einen Flug nach Frankfurt am nächsten Tag entschieden. Die Buchung klappte wunderbar und Ippolita, die uns zum Flughafen fuhr, nahm uns mit zu ihr nach Hause.

Ihr Mann und Penelope, ihre 8-jährige Tochter, begrüßten uns herzlich und bei leckerer Pizza und römischen Suppli hatten wir für einen kurzen Moment unsere Not vergessen.


Am Abend lagen die Jungs mit Penelope auf dem Sofa und kuschelten, fast ein perfekter Moment.

Der nächste Tag begann mit Pancakes und einem Bad im Pool, es fühlte sich fast wie Urlaub bei einer nahezu fremden Familie an, die uns innerhalb von 36h so nahe geworden ist. Auf der anderen Seite war es ein Albtraum aus dem wir jeden Moment hofften aufzuwachen.

Am Nachmittag fuhr uns dann Max, der Mann von Ippolita, zum Flughafen und unter Tränen verließen wir das Land, in dem wir zwei wundervolle Monate hatten und noch so viel sehen wollten.

In Frankfurt angekommen wartete dann jemand bekanntes auf uns: Chris, ein Freund aus Schwäbisch Hall, nahm 6h Autofahrt auf sich, um uns abzuholen, nach Hause zu fahren und zurück nach Hall zu fahren. Was für ein Geschenk, wenn Freunde so für einen da sind.

Gegen halb 12 schlossen wir dann die Türe zu unserem Heim auf, und noch nie hat es sich so komisch angefühlt nach Hause zu kommen.


Was bleibt?

Eine bizarre Mischung aus Glücksmomenten einerseits, die überschattet werden von einem traurigen Ende. Eine Leere und die Frage was wir zuhause sollen, wo wir doch die nächsten drei Monate ganz andere Vorstellungen und Pläne hatten. Dankbarkeit für das was wir erleben durften, und für die liebenswerten Menschen, die uns in diesen Stunden beigestanden haben. Trauer über die verloren gegangenen persönlichen Gegenstände und Erinnerungen. Gedankenkarusselle, die sich jeden Tag neu drehen und uns innerlich drohen aufzufressen. Einerseits das Wissen, dass wir nach vorne blicken müssen für uns und unsere Kinder, andererseits der Schmerz der uns jeden Tag neu einholt. Und nicht zuletzt das Hoffen, auf ein Wunder, dass unser lieb gewonnenes Wohnmobil in Kürze wieder auftaucht.


Warum schreibe ich das jetzt hier:

Einerseits um dem Ganzen hier einen Schlusspunkt zu setzen, um euch zu danken, dass ihr unser Abenteuer bis hierhin begleitet habt, um euch für die Unterstützung und eure Gebete in den letzten Tagen zu danken.

Anderseits aber auch um nochmal zu sagen, wie schön Italien ist. Wir durften 2 Monate, knapp 2.500 km durch dieses schöne Land reisen. Über die Dolomiten nach Venedig, weiter ins Po-Delta, quer rüber über Maranello nach Cinque Terre, durch die Toskana, an die Küste runter nach Rom. Das Land ist so viel besser als diese Geschichte. Vielleicht haben wir es zu sehr auf die leichte Schulter genommen, vielleicht waren wir zur falschen Zeit am falschen Ort, vielleicht hat uns dieser Diebstahl vor etwas Schlimmerem bewahrt. Deshalb zuletzt auch noch ein Appell: Seid ihr Camper, dann sichert eure Fahrzeuge. und lasst sie so wenig wie möglich aus den Augen. Wir haben die letzten Tage von vielen Seiten so viel über Diebstahl gehört. Es ist erschreckend wie viele Wohnmobile und Wohnwagen geklaut werden. Spart nicht an Alarmanlagen, GPS Trackern, Zusatzschlössern und Wegfahrsperren.


Unser Gebet ist, dass wir euch hier in Kürze berichten können, wo unser Womo gefunden wurde und wie unsere Reise weitergeht.

Bis dahin, stay tuned, eure 5 BERNIS

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