Denken Sie einmal in Ihre Kindheit zurück

Reise zum Selbst

Denken Sie einmal in Ihre Kindheit zurück. An das Gefühl, die Welt erobern zu können. An das Gefühl, der Welt etwas geben zu können. An den Forscher- und Entdeckerdrang, den Sie damals verspürten.

An das herzhafte Lachen, das Sie damals noch lachen konnten. Damals waren Sie sich selbst bewusst. Sie waren authentisch und lebten nach ihren Leidenschaften und ihrer Lust.

Heute scheint alles anders zu sein. Sie sind erwachsen und befreit von den naiven Vorstellungen, einmal wunderbar zu sein. Träume, die Welt zu verbessern, verfolgen Sie höchstens noch in der Nacht und die Sehnsucht akzeptiert, verstanden und geliebt zu werden für das, was man wirklich ist. Sie brennt nur noch manchmal in Ihrem Herzen, denn Sie wissen selbst nicht mehr, wer Sie wirklich sind.

Der Verlust des Selbst 

Vielen Erwachsenen geht es so, dass sie einst geglaubt haben, dass Erwachsenwerden bedeutet, sich von sich selbst zu trennen. Erwachsen sein heißt in unserer Zeit auch, seine Gefühle zu beherrschen, reale statt ideale Vorstellungen vom Leben zu haben, materielle Güter anzuschaffen und zu horten und Verantwortung zu übernehmen, und zwar im Sinne von auf Angst basierenden Sicherheitsgedanken.

Im Gegensatz zu früheren und erdgebundeneren Kulturen sind wir heute erst dann erwachsen, wenn unsere rebellische Pubertät zu Ende ist und wir uns mit der Kultur, so wie wir sie vorfinden, abgefunden haben, weil wir sie nicht ändern konnten. So haben wir uns von unserer Kindheit und Jugendlichkeit vollends getrennt, weil wir schmerzhafte Erfahrungen nahezu ohnmächtig ertragen mussten.

Träume und Sehnsüchte 

Unsere Träume und Sehnsüchte, unsere Leidenschaften und unsere Lust bleiben im Erwachsenenalter auf der Strecke. Dabei wären sie der direkte Zugang zu unserem wahren, von Gott gemachten Selbst. Wenn Sie sich an Ihre visionäre Kraft erinnern, die Sie im Kindesalter besaßen, als Sie als Feuerwehrmann Menschen retteten, als Schauspielerin Menschen verzauberten, als Tierärztin Wunden versorgten… spüren Sie die Sehnsucht und Leidenschaft in Ihrem Herzen wieder? Sie ist unser Lebensantrieb und je mehr wir sie wieder zulassen, desto intensiver und erfüllter wird sich Ihr Leben gestalten. Indem Sie ihren Träumen und Sehnsüchten folgen, ziehen Sie Liebe und Magie in Ihr Leben.

Sich dem Leben öffnen 

Wasserfall mit RegenbogenVoraussetzung dafür ist jedoch, sich dem Leben und seinen Begebenheiten zu öffnen. Oft sind die schwierigsten Situationen und Prüfungen des Lebens die besten, um uns wieder selbst kennen zu lernen und um unseren Weg neu wählen zu können. Vielleicht fühlen Sie sich als verheiratete Frau einem anderen Mann mit einem verbotenen Kribbeln im Bauch völlig ausgeliefert? Oder anders herum: Ihre Frau verliebt sich in einen Mann, der alle Eigenschaften besitzt und all die Dinge tut, die Sie haben oder tun wollten, ihre Frau jedoch immer abgelehnt hatte? Oft spielt uns das Schicksal (oder die unendliche Weisheit Gottes) einen Streich und antwortet auf unsere unbewussten oder bewussten Träume und Sehnsüchte, indem es uns Menschen schickt, die uns aus der Fassung bringen. Unser Alltag wird völlig durchgerüttelt, unsere Emotionen fahren Achterbahn, unsere heile Welt wird erschüttert.

Emotionen zulassen 

Diese Erfahrungen, meist durch andere Menschen hervorgerufen, sind umso tiefgehender und erschütternder, je mehr wir sie uns verbieten. Die Erfahrungen, die große Emotionen wie zum Beispiel Wut, Verzweiflung, Depression oder Verliebtheit mit sich bringen, werden meist von vorneherein abgelehnt, verschwiegen oder verdrängt. Verständlich, steht doch vielleicht unsere Ehe auf dem Spiel, unser Job, unsere seit Jahren bestehende Freundschaft. Vielleicht müssen wir etwas loslassen, uns trennen, uns mit anderen Menschen einlassen. Das schmerzt und wir fürchten uns vor dem Schmerz.

Diese Erfahrungen von vorneherein abzulehnen stellt aber nicht die Lösung des Problems dar. Wir verleugnen dabei uns selbst, unsere innere Wahrheit. Verstecken uns hinter scheinbar unerfüllbaren Träumen, hinter schmerzhaften Sehnsüchten. Kehren unser wahres Selbst ganz nach innen, bis es nicht mehr ersichtlich, kaum noch wahrnehmbar ist, nicht einmal mehr für uns selbst. Ein bitterer Nachgeschmack von „Was wäre wenn…“ wird uns so jedoch immer im Leben begleiten. Ein resignierendes „Hätte ich doch nur…“ stürzt uns in noch größere Depressionen. Ein beschuldigendes „Ich habe mich dir geopfert…“ vergiftet unsere Beziehungen.

Was geschieht jedoch, wenn wir uns in diese unvorhersehbaren und vielleicht erschütternden Erfahrungen hineinbegeben, sie uns erlauben? Wenn wir uns dem mobbenden Chef stellen und ihm die Stirn bieten? Uns bei der Freundin nicht mehr als glückliche Mutter dreier  Kinder verkaufen, sondern uns öffnen und unser Leid klagen? Unserem Partner mitteilen, dass wir glauben, nicht mehr in ihn verliebt zu sein? Was wären die Konsequenzen dieser Ehrlichkeit – uns selbst gegenüber und gegenüber unseren Mitmenschen? Wir wären unserem wahren Selbst sicherlich ein paar Schritte näher gekommen. Wir müssten uns nicht mehr verstellen und schauspielern, was bestimmte Dinge angeht. Natürlich, auch Konflikte könnten dadurch entstehen, jedoch Konflikte, die gelöst werden können. Allein über die Möglichkeit zu reden, nicht mehr verliebt zu sein, kann die Beziehung beleben. Allein eine winzige Träne vor einer Freundin kann die Freundschaft festigen. Ein einziges Nein gegenüber einer Autoritätsperson kann das Selbstbewusstsein stärken und die Opferrolle durchbrechen.

Loslassen für ein neues Selbst-Bewusstsein 

Natürlich ist es auch möglich, dass wir uns trennen müssen. Loslassen von alten gewohnten Dingen und Beziehungen, die wir so sehr in unser Herz eingebunden haben. Natürlich ist es möglich, verletzt zu werden. Natürlich kann uns in manchen Zeiten der Schmerz übermannen. Aber das alles zeigt uns, dass wir am Leben sind. Dass wir uns selbst leben und keine Maske. Dass wir kein Schauspiel aufführen, das uns am Ende zwar Applaus verspricht, aber einfach nicht echt ist. Dass wir uns selbst am Wichtigsten sind, uns selbst so lieben, dass wir auch Schmerzen auf uns nehmen, um uns selbst treu zu sein.

SELBST-BEWUSSTSEIN leben und authentisch zu sein heißt, sein wahres Selbst zu kennen und anzunehmen, ohne über sich zu richten und sich verbessern zu wollen. Sich selbst und andere in Schwarzweißmanier als „Richtig“ und „Falsch“ zu beurteilen ist, als ob wir einen Regenbogen zuerst vom Himmel auf die Erde holen, dann entscheiden, dass es für einen Regenbogen nicht angebracht ist in Gelb zu strahlen, um danach das Gelb mit Schwarz zu überstreichen.

von Sandra Weihs

Bildquelle: annie oissonneault - www.fotolia.com

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