Sucht nach Glück
Die Lüge vom Glück
Drei Jahre später stirbt Franz nach 2 1/2 jähriger Krankheit und dem damit verbundenem Leiden an Lungenkrebs. Hat Franz damals am Zebrastreifen doch Pech gehabt?
Urteile nicht!So lautet die Grundeinstellung des Zen! Und am Beispiel des armen Franz, das übrigens frei erfunden ist, kann man schon erkennen, was die alten Meister des Zen zu diesem Ausspruch bewogen haben mag. Hatte der Fall Franz überhaupt etwas mit Glück zu tun? Oder ist es im Fall von Franz einfach geschmacklos, von Glück zu reden?
Ein GedankenspielNehmen wir einmal an, jemand möchte die Menschen kontrollieren. Wo könnte dieser jemand wohl am besten ansetzten? Er erfindet einen idealen Zustand und nennt ihn Glück. Jetzt muss dieses Glück natürlich noch sehr schwer zu erreichen sein, denn sonst würde es niemanden interessieren. Binden wir unser fiktives Gefühl „Glück“ also an etwas, das schwer erreichbar ist, wie zum Beispiel: das perfekte Heim, das harmonische Elternhaus, der Traumwagen oder auch der Seelenpartner. Um den Kopf noch etwas anzuspornen mixen wir noch ein paar Diplome und Zeugnisse rein, sowie eine Prise Erleuchtung für die spirituell Interessierten. Heraus kommt etwas Kostbares, Erstrebenswertes, etwas wofür die Menschen leiden wollen, um es zu erlangen.
Natürlich muss dieser Zustand, dieses Gefühl darüber hinaus etwas sein, das jeder Mensch empfinden kann. Sonst könnte man nicht flächendeckend alle Menschen klein halten. Also sollte man sich eines Grundrechts des Menschen bedienen, wie zum Beispiel Sexualität oder Liebe oder eben auch des Glücks.
Die Sucht nach GlückUnd jetzt kommt der Clou! Jeder Mensch macht sich auf die Suche nach dem, was er schon längst besitzt! Und während sich alle auf die Suche nach dem Glück begeben, kann man natürlich viele Hilfestellungen dazu anbieten und nebenbei erwähnt, gar nicht schlecht daran verdienen.
Niemand ist schwieriger zu kontrollieren als ein zufriedener, glücklicher Mensch. Man kann ihn weder kaufen oder bestechen, noch ihm mit irgendwelchen Kaffeemaschinen den Mund wässrig machen. Wären alle Menschen zufrieden, so wäre dies der Sargnagel für unsere Gesellschaft. Wenn man das so betrachtet, dann ist unsere ganze Gesellschaft nur auf Defiziten aufgebaut.
Das große MinusWir haben zu wenig Bildung, also besuchen wir die Schule. Wir haben zu wenig Geld, also arbeiten wir. Wir haben zu wenig Zeit, also brauchen wir Autos, Flugzeuge oder Fahrräder. Wir haben zu wenig Spaß, also benötigen wir Filme, Fernsehen und Bücher. Wir haben zu wenig Bewegung, also betreiben wir Sport. Wir haben zu wenig Selbstbestimmung, also müssen wir Vertreter wählen. Dieses große Minus ist der Motor für die Gesellschaft, in der wir es uns gemütlich gemacht haben.
Das Spiel ist ausZuerst einmal möchte ich mich bedanken, dass Sie mir bei diesem kleinen Gedankenspiel gefolgt sind. Doch was tut man jetzt gegen einen Mangel, der (vielleicht) gar nicht existiert?
Jagt man dem armen Don Quijote gleich Windmühlen hinterher, die man für Riesen hält? Eigentlich ist es egal, ob sie es nun mit einem Riesen oder einer Windmühle zu tun bekommen: die besseren Chancen auf einen Gewinn hat in beiden Fällen die gegnerische Partei.
Weg von den WindmühlenAlso warum lässt der Mensch den ganzen Unfug nicht einfach bleiben? Ob es sich nun um Riesen, Wissen, Autos, Spiele, Partner oder auch Freunde handelt, glücklich machen sie alle nicht. Im besten Falle verspüren wir einen Hauch von Glück in ihrer Gesellschaft, aber dennoch wird dieser Hauch nicht von Dauer sein. Und das liegt nicht an Ihren Freunden oder gar am Partner. „Dem Himmel sei Dank!“, kann ich ob dieser Tatsache nur jubeln! Denn stellen Sie sich einmal vor, Ihr Glück hänge wirklich an jenem seidenen Freundschafts- oder Partnerschaftsfaden! Wie schnell ist so ein Faden durchtrennt, wie schnell wäre man dazu verdammt, im ewigen Unglück zu leben? Da ist es schon gut, dass man nur sich selbst braucht, um glücklich zu sein.
Fülle und LeereNun hat natürlich jeder, der einen spirituellen Ratgeber in die Hände bekommen hat, schon vernommen, dass man alles schon hat, was man verzweifelt im Außen sucht. Sehr nett aufbereitet wurde das Thema unter anderem in Coelhos „Der Alchimist“, wo eine Suche dort endet, wo sie vor langer Zeit begonnen hat. Eigentlich gar nicht schlecht einen Millionenbestseller zu schreiben, in dem ein Mann eigentlich nur im Kreis geht.
Buddha nannte den wunschlosen Zustand, also den Zustand, in dem auch alles Suchen endet „Nirvana“. Dieser wunschlose Zustand ist für Buddha das Ziel, die Glücksseligkeit.
Nevermind oder Nirvana für AnfängerJetzt haben findige Religionsführer natürlich auch aus dem Nirvana eine Sache gemacht, die es zu erreichen gilt. Und der ganze Quatsch beginnt von vorne: Anstatt dem schnöden Mammon im Außen nachzueilen, eilt man jetzt nach Innen. Hauptsache man kann immer noch was erreichen. Um dieser Falle zu entgehen, mache ich Ihnen einen einfachen Vorschlag: Machen Sie einfach so weiter wie bisher! Aber werten Sie nicht! Sie sind zu dick? Ist das nun gut oder schlecht? Es ist egal! Sie haben keinen Partner oder wollen gerade eine Partnerschaft beenden? Es ist egal! Nehmen Sie sich bloß nicht so ernst mit Ihren Pseudoproblemchen! Das ist der erste Schritt zum Nirvana: Nehmen Sie sich selbst nur nicht zu ernst. Das Leben ist in sich auch nicht seriös oder gar zuverlässig!
All die Düfte!Es gibt keine gleichen Menschen, keine zwei Tage, die miteinander vergleichbar wären, nicht einmal ein Blatt, das einem anderen gleicht! Verspielter als das Leben selbst kann man gar nicht sein! Atmen Sie tief ein, jetzt sofort und freuen Sie sich! Sie haben alles was Sie brauchen! Genau hier und jetzt, genau in diesem Moment. Legen Sie die Zeitung weg und schließen Sie Ihre Augen. Und dann werden Sie alles sehen, worauf es im Moment ankommt.
Sie lesen ja immer noch! Ich hoffe von ganzem Herzen, dass Sie das glücklich macht!
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