Biologisch-dynamischer Landbau zwischen Erde und Kosmos

Demeter: Ein Gespräch über Lebenskräfte und Lebensmittel

Demeter war im antiken Griechenland die Göttin der Erdenfruchtbarkeit. 1969 gründeten Bauern, Konsumenten, Verarbeiter und Händler als Zeichen gegenseitiger Wertschätzung den gemeinnützigen Verein „Österreichischer Demeterbund“.

Demeter steht für biologisch-dynamischen Landbau: Geben und Nehmen, die Lebenskräfte – Irdisches und Kosmisches – sind die Grundbedingungen der Dynamik des Lebens.

Nikolaus Maier ist Landwirt zwischen Erde und Kosmos. Ein Gespräch über Lebenskräfte und Lebensmittel

Im Schutze des Linzer Pöstlingberges liegt die Leisenhofgärtnerei. Seit Ostern 2005 wird sie von Nikolaus Maier und einigen Helfern biologisch-dynamisch bewirtschaftet. Der Garten gestaltet sich sehr vielfältig: Hier stehen Gemüsepflanzen, Kräuter und Blumen in enger Gemeinschaft. Dies ist für den Boden wichtig und hält Schädlinge fern. Durch das blühende Element – im reinen Gemüseanbau ist dies wenig vorhanden – entsteht, so Maier „eine andere astrale Atmosphäre“. Die Blüten locken Vögel, Insekten und andere Lebewesen an.

LZ online: Seit wann sind Sie in der Landwirtschaft tätig?

Maier: Hier im Garten sind wir jetzt im sechsten Jahr. Vorher habe ich auf verschiedenen anderen Höfen gearbeitet, aber nicht vollberuflich. Ich war Kaufmann, habe meinen Weg aber bald in Richtung Sozialarbeit eingeschlagen. Tätig war ich in heilpädagogischen Einrichtungen - wollte dann selbstständig mit behinderten Menschen arbeiten. Auf diesem Wege kam ich zur Anthroposophie und zur Waldorfpädagogik. Seit ich in Österreich bin – ich komme eigentlich aus dem Schwarzwald – habe ich Kontakt zur Landwirtschaft.

LZ online: Was interessiert Sie am biologisch-dynamischen Landbau?

Maier: Vor allem der soziale Aspekt. Es ist sehr schwierig die geisteswissenschaftlichen Hintergründe umzusetzen, wenn man personell oder finanziell eng ist. Biologisch-dynamischer Anbau bedeutet mehr Arbeit sowie eine Menge von Einschränkungen gegenüber der konventionellen Landwirtschaft.

LZ online: Wo haben Sie im Sinne des Demeter-Gedankens wirtschaften gelernt?

Maier: Es gibt Einführungskurse, die dauern ein bis zwei Tage. Alles weitere muss man sich selbst erarbeiten und ausprobieren. Die Bedürfnisse von Pflanze und Boden, Tier und Mensch sind je nach Standort unterschiedlich.

LZ online: „Umstellen auf Demeter“, was bedeutet das?

Maier: Alleine die Richtlinien buchstabengetreu zu erfüllen, Präparate herzustellen und anzuwenden reicht nicht. Das wirkliche Umstellen auf eine geisteswissenschaftlich fundierte, landwirtschaftliche Methode ist ein langer Weg. Wenn ich ihn ehrlich gehe, dann kann ich auch dafür stehen. Ich kann für mich nicht behaupten, alle Möglichkeiten ausgeschöpft zu haben – ich bin am Anfang meines Weges.

LZ online: Was sind das für Präparate, von denen Sie eben gesprochen haben?

Maier: (zeigt auf ein paar unter dem Dach aufgehängte Würste und Beutel) Ganz links ist die Kamille im Rinderdarm, daneben Löwenzahn in einem Rindsgekröse, dann Schafgarbe in einer Hirschblase. Das sind drei Blütenpflanzen in tierischen Hüllen. Den Sommer über werden sie im Licht aufhängt, im Winter eingegraben und zu Ostern wieder herausgenommen. Diese Präparate werden dann in ganz kleinen Mengen dem Kompost eingeimpft. Steiner spricht im landwirtschaftlichen Kurs von einer strahlenden Kraft, die von diesen Dingen ausgeht - Kosmische Kräfte, die in den Blüten und der Hülle konzentriert sind.

LZ online: Wie kam Rudolf Steiner zu diesem Wissen?

Maier: Steiner konnte kosmische Wirkungen in der Natur verfolgen. Aus der Anschauung dieses Kräftewirkens hat er die Präparate und deren Anwendung empfohlen. Den Begriff Energie hat er dabei nicht im Sinne von technischer Energie verwendet – er sprach von Lebenskräften, seelischen Kräften, die aus den Planeten und dem Tierkreisbereich auf die Erde wirken und das ganze Pflanzenleben aus der Erde herauslocken und gestalten.

LZ online: Die Präparate sind nur ein Teil des biologisch dynamischen Landbaus. Rudolf Steiner sprach 1924 in einem seiner Vorträge von der Landwirtschaft als eine in sich geschlossene Individualität. Wie sieht die Betriebsgestaltung aus?

Maier: Dies bedeutet zunächst ein hohes Ziel. Wir haben hier nur einen Garten. Für einen kompletten Hoforganismus müssten alle Landschaftsgestaltungselemente vorhanden sein. Dazu gehören auch Tiere, Wälder, Aulandschaften, naturbelassene Flächen. Diese können dann ineinander wirken. So wie sich viele Höfe heute darstellen, ist dies kaum zu verwirklichen, da sie Ergebnisse verschiedener Erbschafts- und Verkaufsprozesse sind. Nur in seltenen Fällen kann ein Organismus ausgestaltet werden. Als Einzelbetrieb kann ich mich dem nur annähern und mit anderen Betrieben kooperieren. Beispielsweise kaufen wir die tierischen Hüllen für unsere Präparate von anderen Bauern zu.

LZ online: Was bedeutet das für das Zukaufen von Saatgut?

Maier: Saatgut ist ein interessantes Stichwort. Heutzutage wird kaum noch Saatgut selbst erzeugt. Auch die meisten biologischen Bauern kaufen ihr Saatgut zu. Saatgutsammeln ist eine Kunst, benötigt viel Wissen, um die Qualität zu erhalten und weiterzuentwickeln.

LZ online: Ihr vorrangiges Ziel hier im Garten?

Maier: Dies ist der Versuch, wieder in unmittelbare Beziehung zu den Pflanzen zu kommen. Wir nehmen uns Zeit für die Pflanzen und machen möglichst viel von Hand. Mir ist wichtig offen zu sein. Diejenigen, die in den Garten kommen, sollen möglichst auch Platz finden etwas zu tun, wobei das ganz ohne finanziellen Anreiz ist. Zur Erhaltung des Gartens müssen wir selbst dazuzahlen. Die Einnahmen durch den Verkauf reichen bei weitem nicht, um die Kosten abzudecken. Die Hilfe von Freiwilligen ist essentiell.

LZ online: Sie verkaufen Lebensmittel. Wie sehen Sie die Beziehung Ihrer Kunden zum Garten?

Maier: Es kommen viele Leute in der Art wie sie auch in ein Geschäft gehen - sie schauen sich um, nehmen was günstig ist, das was teuer erscheint, lassen sie liegen. Notwendig ist, dass die, die durch den Garten versorgt werden, einen Bezug zum Gartengeschehen bekommen und die Bedingungen, unter denen gearbeitet wird, kennen lernen. Umgekehrt müssen diejenigen, die hier arbeiten, verstehen wie es denen, die hier ihre Lebensmittel holen, geht. So kann miteinander eine Grundlage, die zur Herausbildung einer Verantwortungsgemeinschaft führt, entstehen.

Das Gespräch führte Tanja Brunander-Binder.

Kontakt

Leisenhofgärtnerei

Nikolaus Maier
Petrinumstraße 12, 4040 Linz
Tel. + Fax: 0732 / 73 65 81 - 4480

Verkauf: Dienstag und Freitag von 8:00 Uhr bis Sonnenuntergang

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